Alkoholabhängigkeit: Hilft Cannabis? Forschung macht Hoffnung

Wien, 20. Februar 2015 – Alkoholabhängigkeit ist oft das Resultat von Alkoholmissbrauch. Den Missbrauch zeichnet das eigene Gefühl aus, Alkohol trinken zu müssen um Beruf und Alltag bewältigen zu können.

Dabei nimmt die Fähigkeit ab, mit dem Alkohol aufhören zu können. Es gelingt nicht einmal mehr, wenn man es wünscht.

Alkoholabhängige gewöhnen sich an Alkohol — die Toleranz steigt. So muss für gleichbleibende Wirkung die Menge an Alkohol nach und nach erhöht werden. Bricht der Alkoholkranke den Konsum ab, so erlebt er unangenehme Entzugserscheinungen.

Zu den milden Entzugserscheinungen zählen Symptome wie Beklemmung, Zittern, Depression, Gereiztheit, Erschöpfung und Herzjagen. Häufige schwere Entzugserscheinungen: Krämpfe und vor allem das gefürchtete Delirium Tremens, mit seinen Verwirrungszuständen, Fieber und Halluzinationen („weiße Mäuse“ in der Folklore des Alkoholentzugs).

Die Entzugserscheinungen schrecken viele Menschen ab, die ihren Alkoholkonsum einstellen wollen.

Ein bis zwei Millionen Menschen in Österreich sind durch Alkoholmissbrauch beeinträchtigt. Alkoholmissbrauch ist eine der häufigsten Ursache vermeidbarer Todesfälle. Wegen des gewaltigen Schadens, den Alkoholmissbrauch auf Betroffene hat, darunter auch Angehörige und die Gesellschaft im Ganzen, sollte jedes Mittel recht sein, um die abschreckenden Entzugserscheinungen so erträglich wie möglich zu machen.

Untersuchungen

Mit Durchleuchtung („PET“) der Gehirnaktivität erforschten Neurologen die
Cannabinoid-empfindlichen Stellen im Kopf. Im Februar 2014 erschien die Studie im Journal of Neuroscience. Die Forscher ermittelten, dass diese Stellen im Kopf unterschiedliche Signale geben bei Alkoholkranken, Abstinenten und nicht-süchtigen Konsumenten.

Die Spürstellen für Cannabinoide in den Köpfen der Konsumenten, die nicht
abhängig waren, zeigten bedeutend mehr Aktivität nach Verabreichung von Alkohol.

Auf der anderen Seite die Akoholabhängigen: Ihre Cannabinnoid-Rezeptoren zeigten weniger Aktivität, sogar nach einmonatiger Abstinenz. Besonders beeinträchtigt waren die Spürstellen in diesen Gehirnregionen:

  • dem Cerebellum, zuständig für geschickte Bewegung, Körperhaltung und Gleichgewicht
  • der parieto-occipital cortex, zuständig für Planen

Cannabinoide wirken neuregenerativ

Die Spürstellen, die Cannabinoid-Rezeptoren („CB1“) im Gehirn, spielen eine Rolle beim Empfinden von angenehmen Gefühlen wie Lust. Allerdings überreizt Alkoholmissbrauch über längere Zeiträume diese Rezeptoren, daher sinkt die Aktivität, und das Verlangen nach Alkohol steigt. Ein weiteres Problem: Im Gegensatz zu den Cannabinoid-Rezeptoren sind ganze Gehirnzellen während des Entzugs oft überregt, wodurch die Neuronen Schaden nehmen können, was sogar zum Tod führen kann.

Als Hilfe für alkoholkranke Menschen schlagen die Autoren der Studie daher die Erforschung von Cannabinoid-Therapien zur Aktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren vor. Sogar der Gebrauch der Pflanze selbst ist unter sorgfältiger Aufsicht von Medizinern denkbar. Die Aussichten auf Erfolg stehen auf folgender Grundlage, die gut vertretbar ist:

  • Cannabinoide können übererregte Gehirnzellen schützen und Schaden vorbeugen
  • Während der Cannabinoid-Therapie lindert der Wirkstoff das Verlangen nach Alkohol und Symptome

Mehr Forschung ist notwendig, um Cannabinoid-Ansatz zu untersuchen und medizinisch zu erproben. Weiters wäre zu klären, ob Extrakte, synthetische Ersatzstoffe oder einfach die Pflanze selbst für die Praxis und alkoholkranke Patienten am tauglichsten sind.

Hinweis der Verfasserin der Vorlage:
Der Gebrauch der Pflanze selbst ist im Moment keine empfohlene Therapie zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit. Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung eines Experiments, das Unterschiede zwischen der Aktivität und Expression von Cannabinoid-Rezeptoren in den Gehirnen von abhängigen und nicht-abhängigen Alkoholkonsumenten, sowie abstinenten Personen. Der Begriff „Cannabinoid-Therapie“ schließt mit ein:

  1. körpereigene Cannabinoide
  2. Cannabinoide der Pflanze
  3. künstliche Cannabinoide

Falls Sie Hilfe brauchen für Reduktion oder Einstellung des Alkoholkonsums sollten Sie an Ihren Arzt wenden, oder an eine der zahlreichen einschlägigen Hotlines, z.B. jene des Anton-Proksch-Instituts: http://www.api.or.at/typo3/index.php?id=165
Nach der englischsprachigen
Vorlage von Arielle Gerard, MedicalJane

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