PROHIBITION

CannaRollstuhlWie kam es zur gegenwärtigen Verbot der ältesten Kulturpflanze der Welt? Der Ursprung der europäischen „Weinmonokultur“ liegt nicht zuletzt beim Christentum. Da die christlichen Religionen den Wein als rituelles (heiliges) Rauschmittel angenommen hatten, wurden ab der Zeit der Christianisierung die Rauschmittel der älteren Volksreligionen verdrängt und verboten. Betroffen waren aber nicht ausschließlich die rituellen Rauschmittel, sondern auch die Kräuter der „heidnischen“ Naturmedizin.

Dennoch – und nicht zuletzt das Wiederaufkommen sogenannter Heilkräuter beweist das – konnte dieses Wissen nicht voll kommen ausgerottet werden. Auch das Überleben von Rezepten diverser Flug- oder Hexensalben, die mit Sicherheit auch mitteleuropäische Ursprünge haben, können hier als Beispiel dienen.
Hanf ist eine Pionierpflanze, eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Nahezu sämtliche Kulturen der Frühzeit nutzten und verehrten ihn. Nicht allein aufgrund seiner berauschenden Wirkung, vor allem aufgrund seiner Fruchtbarkeit und seiner Faserqualität.

Hanf wuchert seit dem Jahr 800 im Voralpenraum

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Die österreichische Zigarettenmarke NIL war früher ein Bestseller. Sie enthielt bis in die 1920er Jahre 5 bis 10 Prozent Cannabis.

„Zwischen 800 und 1200 war Hanf die wichtigste Nutzpflanze Englands, und um dieselbe Zeit begann er im Voralpenraum zu wuchern. Eigenartig sind die vielen Ortsnamen in Niederösterreich, die sich auf die Pflanze beziehen, von der Mittelstadt Hampstätten, die später Amstetten hieß, bis zum kleinen Bauerndorf Hanfthal. Unter den Flurnamen des Mostviertels gibt es allein siebzehn Hanfkogel – keine andere Pflanze war Taufpate sovieler Ortsnamen.“ schreibt H. G. Behr in seinem Buch „Von Hanf ist die Rede“.
Und weiter: „Aus Niederösterreich stammt auch eine Tradition, die zeigt, daß Hanf keineswegs nur als Faserpflanze gesehen wurde. Allein acht Sagen aus dem westlichen Landesteil berichten von Jungfrauen, die sich, vom Teufel verfolgt, in ein Hanffeld retten konnten.
Nun lauerte ja im Mittelalter der Teufel überall, und da war es schon nötig, satansfreie Zonen zu haben. Dass sie durch Hanf markiert wurden, ist allerdings interessant, und die Folge war, dass noch in diesem Jahrhundert um alle Bauernhäuser traditionsgemäß eine dichte Reihe von Hanfpflanzen wuchs.“
1839 gelang es, eine „Tinktur“ (Hanfkonzentrat, gelöst in Alkohol) herzustellen.
Diese war kräftiger als das in Asien hergestellte „Haschischöl“, und wurde an Apotheken als Rohstoff für eine Unzahl von Präparaten verkauft. Als Wirkstoff gegen Husten, asthmatische Zustände, Migräne, Neuralgie (Nervenschmerzen), epilepsieähnliche Krämpfe, Hühneraugen usw.
„Die ‚Nebenwirkungen’ waren bekannt, und gerade deshalb half man sich bei Präparaten, die gut verkauft werden sollten, mit einem kräftigen Zusatz Hanf.

„Die frühe Pharmazie war nicht moralischer und nicht prüder als unsere.“ (H. G. Behr)

Auch der Zigarettenmarkt blieb vom Hanf nicht unberührt. Die österreichische Tabakregie brachte mehrere Marken mit 5 bis 10 % Hanfanteil – u. a. die „Nil“ – auf den Markt. Um von den Importen unabhängiger zu werden, startete die Donaumonarchie Anfang der Achtzigerjahre des 19. Jahrhunderts eine eigene Produktion: in Bosnien und Ungarn wurde „Medizinalhanf“ gepflanzt, der zwar „nicht die hervorragenden Wirkungseigenschaften der indischen Sorten“ hatte, aber dafür weit billiger war.
1919 erließ die österreichische Regierung eine Verordnung, die für Niederösterreich und die Steiermark Mindestanbauflächen bei Hanf vorsah.
Für die Briten war Hanf von nicht unmassgeblichem Wert: 1855 exportierte das Empire 280 Tonnen Ganja (hochwertiges Cannabis) nach Europa. 1865 waren es mehr als 3.000 Tonnen „nicht textilen Hanfs“. Damit war Hanf nach Textilien und Tee der wichtigste Handelsartikel für den Westhandel; nur das Opiumgeschäft mit China brachte noch mehr.
Noch 1879 rangierte Hanf an der vierten Stelle der indischen Außenhandelsbilanz.
Abnehmer waren (der Grössenordnung nach): England, die USA, das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, Belgien und Italien.
opiumwarBei der ersten internationalen Opiumkonferenz im Jahr 1909 in Shanghai stimmte das Empire einer geringfügigen Reduktion der Opium-Exporte nach China zu. Die Konferenz wurde auf 1912 vertagt und fand dann in Den Haag ihre Fortsetzung. Hanf wurde nur insofern erwähnt, als festgehalten wurde, daß es sich nicht um ein Opiat handle.
Beschlüsse wurden in Bezug auf Opium, auf das neuere Kokain und auf Opiate gefasst. Im Mittelpunkt des Interesses stand vor allem Heroin, der neue Marktrenner der Firma Bayer.
Die nächste internationale Opiumkonferenz 1925 in Genf führte in einer äußerst knappen Kampfabstimmung (9 pro, 7 contra, 2 Enthaltungen) zur Aufnahme von Hanf in die Verträge. 19 Länder hatten sich 1923 verpflichtet, bis dahin die Frage zu untersuchen, ob Hanf jemals ein Problem – vergleichbar mit z. B. Opium – darstellen werde. Nur der portugiesische Bericht fiel dementsprechend aus; von Suchtgefahr oder gesundheitlichen Schäden war aber auch nicht die Rede. Dennoch, auf Antrag Ägyptens und der Türkei, mit Unterstützung des „Deutschen Reichs“ wurde über Hanf abgestimmt. Hier liegt einer der Gründe, warum Cannabis immer wieder fälschlicherweise im Zusammenhang mit Opiaten genannt wird, und auch das Argument für die rechtliche Gleichbehandlung.
Entstanden ist die Hanfprohibition in den USA. Die puritanischen Bewegungen, die bereits vor der Alkoholprohibition einige alkoholfreie Zonen durchsetzen konnten, erlebten ihren großen Aufschwung durch die Unterstützung John D. Rockefellers.
wewantbeerDessen Interesse lag weniger im Kampf gegen den Alkohol, als gegen die Kneipen selbst, die er als potentielle Treffpunkte für Arbeiter sah, die dort unter anderem Gewerkschaften gründen könnten. Er finanzierte die „Anti-Saloon-League“ (ASL), die also für die Schließung aller Kneipen eintrat. Politisch engagierte sich die ASL insofern, als sie allfälligen Kandidaten, die auf Anfragen prohibitiv reagierten, den Wahlkampf mitfinanzierte.
Nach ihrem Eintritt in den 1. Weltkrieg verboten die USA die Alkoholproduktion.
Nach dem Krieg wurde sie einfach nicht wieder auf genommen und es begann eine Zeit, in der das organisierte Verbrechen einen geradezu kometenhaften Aufstieg erlebte. Neben der schon etablierten „Italo-Mafia“ etablierte sich eine weitere Gruppe, die „Cosa Nostra“. Diese Gruppen kontrollierten den Alkoholhandel, d.h. Menge, Qualität und Preis der Ware.
Die Bevölkerungsschichten, die sich den Alkohol nun nicht mehr leisten konnten, stiegen auf das billige Cannabis um, das ja vor allem im Süden und Westen auch „wild“ wuchs.
Zusammen mit der „Modedroge Jazz“ kam auch Hanf in Mode. In Staaten mit relativ hohem Anteil an schwarzer oder mexikanischer Bevölkerung gelang es den Sittlichkeitsvereinen recht früh, eine Gleichstellung von Alkoholkonsum und „nichtmedizinischem Gebrauch von Hanf“ zu erreichen. In New York konnten von 1927 bis 1937 nur drei (!) Verstöße registriert werden, was darauf hinweist, daß die Exekutive nicht mit allzu viel Ernst bei der Sache war.

Der ‚Decorticator revolutioniert die Fasergewinnung

Das US-Landwirtschaftsministerium schrieb in seinem Bulletin Nr. 404, daß durch die Entwicklung einer Schäl- und Erntemaschine Hanf „seine Bedeutung als größter landwirtschaftlicher Industriezweig wiedererlangen wird“.

1890 DECORTICATOR1938 wurde eben diese Maschine – ursprünglich von G.W. Schlichten im Jahr 1919 entwickelt –  in Fachzeitschriften wie Popular mechanics und Mechanical engineering vorgestellt. Die wirtschaftlichen Prognosen für die sich nun ergebenen Möglichkeiten zum Massenanbau von Hanf sahen überaus günstig aus, da Faserhanf sehr vielseitig nutzbar und der Anbau sehr effektiv ist. So wurde auch auf dem Sektor der Zellstoffverarbeitung und der Energiegewinnung im Auftrag des US-Landwirtschaftsministeriums mit Erfolg geforscht.
Als Vater der Hanfprohibition kann Harold. J. Anslinger bezeichnet werden. 1930 wurde der ehemalige Konsul Commissioner im Bureau of Narcotics, dessen Zuständigkeitsbereich der Verkehr mit Opiaten in den USA war.
Anslinger setzte sich dafür ein, auch Hanf in den Arbeitsbereich auf zunehmen, was aber sowohl politisch als auch wissenschaftlich auf Ablehnung stieß. Vorerst.
marijuana-tax-stamp-cannabis-tax-refundDenn Finanzminister A. Mellon, Multimilliardär und – zufällig – Onkel Anslingers Frau, bewilligte 1931 trotz der wirtschaftlichen Depression 100.000 $ Sonderetat für eine Kampagne, die helfen sollte, alle Fälle zu sammeln, die eine Gefährlichkeit von Marihuana beweisen könnten, insbesondere Verbrechen, Fälle von Wahnsinn, u.ä.“, wie in den Rundschreiben an Polizeistellen und Boulevardjournalisten zu lesen war. Als „Belohnung“ gab’s z.B. „Forschungszuschüsse“.
Am 1. September 1937 unterzeichnete Präsident Roosevelt die „Marihuana Tax Act“. Dabei handelte es sich noch nicht um ein Verbot, sondern um eine Steuer: 100 $ pro Unze (28,349 g; 1931 kostete 1 Kilo „Acapulco“ ca. 50 $).
Um die Horrorpropaganda durch wissenschaftliche Ergebnisse ergänzen zu können, stellte Anslinger Dr. J. A. Munch (der festgestellt hatte, daß bereits ein Zug von einem Joint ausreicht, um temporären Wahnsinn hervorzurufen; ein Resultat desSelbstversuchs) Gelder zur Verfügung, um – wieder – die Gefährlichkeit von Marihuana festzustellen.
dea-policeDie Entdeckung des Wirkstoffs THC und damit verbundendie Möglichkeit seiner synthetischen Herstellung öffneten der Pharmaindustrie Tür und Tor. Zumal der La Guardia–Report das Verbot der synthetischen Substanz aufgrund ihrer Unbedenklichkeit verhinderte. Ab November 1942 durften „herkömmliche“ Hanfprodukte nicht mehr auf den Markt.
Der endgültige Durchbruch zum Verbot gelang erst nach dem 2. Weltkrieg. Europa kannte bis dahin kein Hanfproblem. In Deutschland waren Hanfpräparate bis 1958 in der Apotheke erhältlich, in „Österreich“ kostete ein Kilo Afghane 1954 weniger als 500 Schilling(= 36 Euro) . Anslinger war inzwischen zum Vorsitzenden der UN-Drogenkommission avanciert. 1954 erreichte er, daß die WHO dem Hanf jeglichen therapeutischen Wert absprach, doch erst 1961, mit der „Single Convention“ konnte er der Prohibition zum internationalen Sieg verhelfen, die mittlerweile in über 5 Jahrzehnten Millionen Menschenleben gekostet hat.
(Quelle leider unbekannt)