Medical Cannabis Debatte im österreichischen Parlament

Wien,10.Juli 2018 – Im österreichischen Parlament fand am 5. Juli 2018 erstmals eine Debatte über Medical Cannabis statt. Bemerkenswert: Vertreter aller Parlamentsparteien sprachen sich unsisono für die Zulassung von natürlichem Hanf als Heilmittel aus.

Abgeordnete aller Parteien unterstützen das Ersuchen an Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein mit unzähligen Fakten. Medical Cannabis ist mittlerweile weltweit in fast 40 Ländern erhältlich und nirgendwor wurden negative Erfahrung mit der ältesten Heilpflanze gemacht.

Konkret wird Hartinger-Klein von den Abgeordneten gebeten, den therapeutischen Einsatz von „Medizinalhanf“ zu prüfen und bis zum 1. Jänner 2019 einen Bericht über zukünftige medizinische, rechtliche, organisatorische und ökonomische Rahmenbedingungen zum Einsatz von cannabishaltigen Arzneimitteln vorzulegen. Dabei sollen auch die Ergebnisse des vom Ausschuss durchgeführten Begutachtungsverfahrens sowie die Erfahrungen in Deutschland berücksichtigt sowie die Österreichische Ärztekammer, die Österreichische Apothekerkammer, der Österreichische Schmerzverband, die Gesundheit Österreich GmbH, die AGES, der Hauptverband der Sozialversicherungsträger und – in Hinblick auf die Vermeidung von Missbrauch – auch das Innenministerium eingebunden werden.

1,8 Millionen SchmerzpatientInnen

Basis für die Entschließung bildete der von der Liste Pilz eingebrachte Antrag, zu der in der heutigen Sitzung ein gemeinsamer Abänderungsantrag aller Fraktionen eingebracht und schließlich einstimmig beschlossen wurde. Ein rasches Gesetz wäre ihr zwar lieber gewesen als die Anforderung eines Berichts, sagte Daniela Holzinger-Vogtenhuber (PILZ), sie hofft aber, dass dieser nur ein Zwischenschritt zu anschließenden gesetzlichen Änderungen ist. Es gebe in Österreich 1,8 Millionen SchmerzpatientInnen, die Unterstützung und Hilfe brauchen, machte die Abgeordnete geltend.

Der leider nicht mehr im Parlament wirkende Cannabis-Schmerzpatient Peter Kolba hatte in seinem Antrag darauf hingewiesen, dass fast jeder fünfte Österreicher Schmerzen mit Cannabis behandeln könnte, dass vielfach effektiver als süchtig machende Opiate sei.

„In Österreich leben derzeit rund 1,5 Millionen Schmerzpatienten. Sie werden oft mit schweren Medikamenten behandelt, die enorme Nebenwirkungen haben. Als Alternative dazu sind bisher nur synthetische Cannabis-Extrakte verfügbar, also Präparate mit den Inhaltsstoffen Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD).

Dronabinol etwa kostet für einen Tumorpatienten 500 bis 600 Euro im Monat, die nur fallweise von den Krankenkassen übernommen werden.

Präparate aus bzw. mit Cannabisblüten kommen nicht nur billiger, sie wirken auch besser, da die Pflanze mehr als 500 Inhaltsstoffe enthält, also weitaus mehr als die Medikamente aus synthetischen Stoffen, die derzeit legal sind.

Medizinisch nachgewiesen ist, dass Cannabisblüten effektiv wirken und dass die Einnahme nicht süchtig macht“, hiess es in seinem Antrag.

Derzeit sind medizinische Cannabis-Präparate am Schwarzmarkt um einen Bruchteil dieser Kosten zu finden, sagte ein Patient, der anonym bleiben wollte. In Form von Blüten sei dieselbe Menge THC um rund 100 Euro erhältlich, während 1000 Milligramm THC in der Apotheke bis zu 920 Euro kosten. Mögliche Einsparungen gehen in die hunderte Millionen Euro.

Auch FPÖ sieht Sinnhaftigkeit von Medizinalhanf

Seitens der FPÖ wies Gerhard Kaniak darauf hin, dass die im Begutachtungsverfahren eingelangten Stellungnahmen ein differenziertes Bild zeigen. So sei mehrfach darauf hingewiesen worden, dass es durchaus Indikationen gibt, in der die Anwendung von medizinischem Hanf sinnvoll wäre. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger habe demgegenüber die Kostenfrage aufgeworfen und auf erstattungsfähige Therapiealternativen aufmerksam gemacht, die billiger sind. Offen seien auch weitere Fragen wie die Herstellung und das Inverkehrbringen von Präparaten. Zudem gelte es zu beachten, dass Cannabis verschiedene Inhaltsstoffe habe. Man werde nicht zuletzt am Beispiel Deutschland sehen, ob sich die Sache bewähre.

Von einem ganz wichtigen Thema sprach Josef Smolle von der ÖVP. Chronische Schmerzen seien schließlich eine Volkskrankheit. Allerdings ortet er noch Disksussionsbedarf, etwa was die Wirksamkeit von Cannabis-Produkten betrifft. Der Begriff Liberalisierung ist für ihn außerdem der falsche, es brauche ganz klare Regelungen wie bei den Opiaten. Ebenfalls für eine Prüfung des Anliegens der Lise Pilz sprach sich Pamela Rendi-Wagner von der SPÖ aus. Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein kündigte an, auch den Obersten Sanitätsrat mit der Ausarbeitung von Empfehlungen zu beauftragen.

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