Basteln an Österreichs neuen Cannabis-Regelungen: Der Patient muss im Mittelpunkt der Reform stehen

Wien, 20. November 2018 – Auf hohem Niveau verbleibende Cannabis-Strafanzeigen im laufenden Jahr und eine erstmals schärfere Vorgangsweise der Exekutive bei der Hanffachmesse Cultiva lassen in Österreich nichts Gutes für die von der Regierung angekündigte Reform des Suchtmittelgesetzes (SMG) erahnen.

Doch ob die Regierung bei dieser Reform angesichts des zu erwartenden Schwenks der Weltgesundheitsorganisation WHO in punkto Cannabis überhaupt noch einen Rückschritt machen kann, ist fraglich.

Die noch ausstehende angekündigte Review der WHO lässt das Hanf-Institut eine weitere Aufweichung, aber wohl noch keine Empfehlung zur Legalisierung von Cannabis erwarten. Immerhin gab die Organisation, die jahrzehntelang für die Verfolgung von Cannabis-Konsumenten verantwortlich war, 2017 zu, dass die Prohibition Millionen Menschen als Kriminelle diskriminierte.

Eine erste Pre-Review von Cannabis im vergangenen Juli ebnete zumindest für das schmerzstillende und Muskel entspannende Cannabinoid Cannabidiol (CBD) den Weg. CBD wird seither als unbedenklich angesehen, womit weitere Erleichterungen im Umgang damit abzusehen sind.

Während die Liste der Staaten, die Cannabis entkriminalisiert oder legalisiert, mittlerweile fast wöchentlich länger wird – jüngste Beispiele sind Mexiko, Norwegen und Thailand – ist noch offen, welchen Bericht die rechtskonservative Gesundheitsministerin Beate Klein-Hartinger zur Frage des Verkaufs von Cannabisblüten in den Apotheken vorlegen wird.

Bisher hatte sich das Gesundheitsministerium Augen und Ohren vor allen neuen und alten Erkenntnissen zu Cannabis als Heilpflanze zugehalten, obwohl mittlerweile über 18.000 positive Studien Beweis für die Heilkraft von Hanf sind.

Nachdem mittlerweile immer mehr Branchen von den Apothekern bis zu den Trafikanten im Geschäft mit dem Hanf mitmischen wollen, sollte die Reform der österreichischen Cannabis-Regelungen aber primär auf die Bedürfnisse der PatientInnen und KonsumentInnen abgestimmt werden.

Deutsches Modell ist realitätsfern

Im Grund liegt Gefahr im Verzug vor, wenn kranken Menschen ein natürliches und nebenwirkungsarmes Heilmittel wider besseren wissenschaftlichen Wissens vorenthalten wird.

Doch welchen Weg sollte Österreich gehen?

Anhaltende Probleme bei der PatientInnen-Versorgung mit Cannabisblütenin Deutschland und rund dreimal so hohe Preise wie am Schwarzmarkt zeigen, dass das deutsche Cannabis-Gesetz sicher nicht das optimale Modell ist. In Deutschland kostet ein Gramm aus der Apotheke bis zu 25 Euro.

Aussserdem nimmt das Gesetz keine Rücksicht auf die für PatientInnen unverzichtbaren Cannabis-Konzentrate.

In den zuständigen Amtsstuben der Republik dürfte an einem Modell gearbeitet werden, in dem THC-hältige Blüten über Apotheken abgegeben werden sollen. Bei CBD-Produkten ist einerseits der Verkauf von Blüten in Trafiken zu erwarten. Andererseits bleibt die Hoffnung, dass CBD als ‚Novel Food‘ eingestuft wird und damit künftig dem Lebensmittelgesetz unterliegt.

Pflanze, nicht Chemikalie

Das Hanf-Institut verweist weiterhin auf den wichtigsten Punkt, der im Mittelpunkt der Reformen stehen sollte: Cannabis ist eine von 28.000 natürlichen Heilpflanzen und sollte dementsprechend reguliert werden. Eine Überregulierung wie in Kalifornien führte nur dazu, dass der preisgünstigere Schwarzmarkt mit all seinen Qualitätsproblemen, unverändert weiter floriert. Ein österreichisches Modell muss auch den Eigenanbau, der in diesem Land zur EU-weit besten durchschnittlichen Qualität geführt hat, berücksichtigen. Denn immer noch wird das Gemüse aus dem eigenen Garten am besten gehegt und gepflegt.

Ein Gedanke zu „Basteln an Österreichs neuen Cannabis-Regelungen: Der Patient muss im Mittelpunkt der Reform stehen

  1. Cornel Scherfler

    Ich leide an Myoklener Epilepsie auch bekannt als Jans Syndrom und habe dafür nach langem herumprobieren ein funktionierendes Medikament bekommen (Depakine). Der einzige Nachteil dabei ist, dass es starke Nebenwirkungen hervorruft. In meinem Fall ist es starkes Zittern. Ich konnte nicht einmal einen Löffel Zucker länger als eine Sekunde ruhig halten, ohne dass der ganze Zucker vom Löffel auf dem Tisch liegt. Ich habe anschließend Cannabis probiert und bemerkt dass ich nur mehr ein achtel der Medikamentendosis benötige als zuvor. Jetzt droht mir der Führerschein entzogen zu werden. Aus diesem Grund bin ich gezwungen Cannabis wieder abzusetzten und meine Medikamentendosis muss ich wieder erhöhen. Ich habe genug von der regressiven Politik die unsere Regierung betreibt und bin echt dankbar, dass es Personen wie euch gibt, die wirklich für das Wohlergehen der Menschen in diesem Land kämpfen.

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