Ein trauriges Zwischen-Resümee zur Cannabis-Legalisierung

Wien, 21. Jänner 2020 – Weil uns eine Anfrage zum status quo der Cannabis-Legalisierung erreicht hat, hier unsere Antwort darauf:
Lieber D,
leider muss ich nach 5 Jahren Hanf-Institut ein trauriges Zwischen-Resümee ziehen: Die Legalisierung ist leider allen wurscht.
Die Jungen bauen selber an oder kaufen beim Grower-Freund und die Älteren sind einstweilen mit CBD zufrieden – das wohl sogar noch mehr medizinische Anwendungen als THC hat.
Das Hanf-Institut erhielt 2019 exakt 5 Spenden im Gesamtausmass von 212,50 Euro.
Die Genussraucher kaufen sich lieber ein Baggy und kranken Menschen mit Pensionen unter 1.000€ kann und will ich nichts wegnehmen.
Seit mittlerweile 42 Jahren denke ich, dass die Legalisierung nicht mehr weit weg sein kann. 2 Jahre schwarz-blau haben die Cannabis-Diskussion wieder lahmgelegt und augenblicklich bin ich ganz baff, dass in den Medien wieder die alten Ängste und Lügen der letzten 60 Jahre Prohibition ausgegraben werden (Turbocannabis).
Aktivistisch zu sein, traut sich nur, wer keinen Arbeitsplatz zu verlieren hat. Julia Herr (SPÖ) ist still, seitdem sie einen warmen Sitz im Nationalrat hat. Die Grünen kannst ebenso vergessen wie die Neos, obwohl es beide im Programm haben.
Dabei liegt die Politik nirgendwo falscher als mit der Aufrechterhaltung der Prohibition.
Zurzeit toure ich mit Willi Wallner, Gründer des Cannabis Social Club Salzburg, durch Salzburger Gasthäuser. Zu diesen Veranstaltungen kommen ausschliesslich Senioren ab 50, die zu 100% Cannabis als Medizin wollen.

Senioren wollen Cannabis als Medizin

In den Parteien hält sich aber hartnäckig die Angst, dass sie mit einer Freigabe die Stimmen der demografisch grossen Senioren-Gruppe verlieren würden. Ich behaupte mal, dass genau das Gegenteil passieren würde. Die Senioren sind in den Diskussionen vielmehr darüber empört, dass ihnen der Staat eine wertvolles natürliches Heilmittel vorenthält bzw. nur minderwertige Cannabis-Medikamente zu Mondpreisen zulässt.
Aus der Hanfbranche ist die Unterstützung des Hanf-Instituts auf Null zusammengeschrumpft. Die CBD-Shops sind froh über die Gesetzeslücke, die 2017 geschaffen wurde und in der viele Punkte unserer Stellungnahme dazu umgesetzt wurden. Die Grow-Shops sind untereinander zerstritten und wenn ich früher von einem was bekam, war das für die anderen ein Grund, uns nichts zu geben.
Ein Gang zum VfGH erfordert erst einmal eine gut gefüllte Kriegskasse und ist ein jahrelanger Prozess, der sechs- bis siebenstellige Summen verschlingt.
Seit dem Feststehen der neuen Regierung denke ich natürlich auch nach, wie ich einen Dialog initiieren kann, in dem wir nicht einfach abgeschasselt werden.
Auch unsere Hinweise, dass Hanf als Rohstoff und Energieträger die dringendsten Umweltprobleme lösen kann, treffen allerorts nur auf Ungläubigkeit.
Ich halte es mir zugute, dass unser Informationsauftrag bzgl. Cannabis als Medizin mittlerweile in allen österreichischen Medien angekommen ist. Doch dann stosse ich leider wieder auf solchen angstmachenden Unsinn wie heute in der Wiener Zeitung: https://www.wienerzeitung.at/…/2046676-Cannabis-geht-aufs-H…
Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Politik Angst vor Cannabis hat, weil wir uns damit soviel ersparen könnten. Die Medikamentenausgaben betragen in Ö über 4 Milliarden € und da will sich der Gesundheitssektor nichts wegnehmen lassen. Leider honoriert unser System ja nur das Kranksein und -bleiben. Ärzte und die Pharmaindustrie leben davon, dass die Leute krank bleiben und wieder kommen.
Danke für Deine Initiative. Bitte lass mich wissen, was (und ob überhaupt) Vizekanzler und Gesundheitsminister antworten.

Liebe Grüsse
Toni Straka

Ein Gedanke zu „Ein trauriges Zwischen-Resümee zur Cannabis-Legalisierung

  1. Da Bummla

    Leider hast du mit deinem Resümee voll und ganz recht, wer arbeitet möchte auch seine Arbeit behalten und lässt den Aktivismus. Leider ist das alles sehr traurig.
    Was mich am meisten empört ist die Tatsache, dass auf Kosten von Menschen, die zb Alkohol schlecht vertragen und chronisch Kranken ein System erhalten wird, dass so keinen Sinn macht. Dann denke ich an das Leid, welches von der Drogenmafia und der Kriminalisierung ausgeht.
    Wenn man dann noch weiter an einen gewissen Ex-Politiker (ich will jetzt keinen Namen nennen, die Geschichte ist sicher bekannt) denkt, der sich auch noch für härtere Strafen eingesetzt hat, obwohl es bei demjenigen im Wäschekasten schneit, komme ich zu dem Entschluss, dass man das eh alles nicht mehr ernst nehmen kann…
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft
    Da Bummla

    Antworten

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